Freitag, November 7

"Cap Kaminski": Historische Antennenanlage reaktiviert

Mit ihr blieb Anfang der 60er Jahre in Bochum kein Raumflug unentdeckt - die Rede ist von einer Gruppe von vier Wendelantennen am Standort der Sternwarte Bochum. Es war die erste deutsche Bodenstation für Raumflugkörper und entsprach in ihren Dimensionen den damaligen High-Tech-Stationen der Raumfahrtnationen UdSSR und USA. Nach mehr als zwanzig Jahre Dornröschenschlaf wurde sie renoviert und wieder auf Empfang geschaltet.

Das Fundament legte bereits im Jahre 1946 der weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannte Bochumer Weltraumforscher Heinz Kaminski († 17. Februar 2002 in Arnsberg) mit seiner Volkssternwarte Bochum. In den Mittelpunkt des Interesses rückte Kaminski und seine Anlage durch den gelungenen Erstfunkempfang* des ersten künstlichen Satelliten Sputnik 1 im Jahr 1957. Auf dem Bochumer Gelände - später im Volksmund auch Cap Kaminski genannt - wurde im Jahr 1961 dazu eine Vierfach-Wendelantenne errichtet, die wenige Jahre später zu einer 9-Kreuz-Yagi-Antenne umgebaut wurde. Diese, für damalige Verhältnisse hochmoderne Antenne, diente vorrangig zum Datenempfang von Wettersatelliten. Von einem Bedienpult im Hauptgebäude konnte sie per Handsteuerung vertikal und horizontal bewegt werden. Diese Eigenschaft ermöglichte eine kontinuierliche Nachführung der Satellitenflugbahn und somit einen lückenlosen Signalempfang. Die Antenne empfing aber nicht nur Wetterdaten, sondern auch die ersten TV-Bilder via Satellit ("Early Bird").

Doch durch die zunehmende Erforschung des Weltraums in den 70er Jahren verlor die manuelle Nachführtechnik nach und nach an Bedeutung. Zum Empfang von erdumlaufenden Wettersatelliten entwickelte man automatisierte Antennen oder nutzte geostationäre Satelliten (METEOSAT). Der rasante technische Fortschritt und der altersbedingt zunehmende Wartungs- und Betriebsaufwand führten 1986 zum Stillstand der Antenne.

Um Schüler und Auszubildende an die Grundlagen der Satellitentechnik heranzuführen und damit für Forschungs- und Ingenieurwissenschaften zu begeistern, war das IUZ Sternwarte Bochum (Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung) dennoch bestrebt, die Antenne mit moderner Antriebstechnik wieder instand zu setzen. Drei Schüler der Technischen Beruflichen Schule 1 (TBS 1) Bochum renovierten in nur drei Monaten die marode Mechanik der Antenne und erweiterten die Steuerung mittels einer Computeranlage. Die 46 Jahre alte Antenne kann nun automatisch am Himmel ausgerichtet werden. Das überzeugte inzwischen auch die nahe Ruhruniversität Bochum: Man will mit der reaktivierten 4er-Antennengruppe ferne Signale von Pulsarsternen aufspüren. Die Anlage soll künftig auch für Bachelor- und Master-Studiengänge zur Verfügung stehen.

* außerhalb des sowjetischen Territoriums


Foto: IUZ Bochum


Tom DF5JL

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